Smaracuja

Das “Sei. Mach. Werde. Geh.” Prinzip

By 5. Januar 2015 Gedanken
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Da sitzen wir dann auf unseren Sofas, an unseren Küchentischen oder in unseren Betten. Wir scrollen uns durch Facebook, Pinterest und Tumblr und überall strahlen uns bunte Bildchen entgegen, mit großen weißen Lettern in Helvetica, die uns mit der Stimme irgendeiner klugen Person ins Gesicht schlagen, dass wir doch endlich mal unseren Hintern hoch bekommen sollten. Unsere Comfort Zone verlassen. Unseren Job kündigen, ein Ticket kaufen und irgendwo hin fahren. Egal wo. Oder den gut aussehenden Kerl aus der Straßenbahn einfach mal knutschen. Fallschirmspringen zu gehen. Grenzen zu überschreiten. Gesund zu essen. Unser Leben neu zu erfinden. “Sei!”, “Mach!”, “Werde!”, “Geh!” rufen sie uns entgegen, als ob irgendetwas an unserem jetzigen Leben falsch wäre. Da stört nicht die Motivation, da stört das Diktat. Und immer diese unterschwellige Kritik, “Tu dies, tu jenes” und wer das nicht tut ist doof. Ein Versager. Oder verdammt unglücklich.

 

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Wir Menschen sind doch alle so verschieden. Und wir kennen uns doch eigentlich selbst ganz gut. Brauchen wir da denn jemand Fremden, der uns sagt was zu tun ist? Muss ich wirklich aus meiner Wohlfühlzone austreten, weil einer mir sagt, dass das jetzt der neue Shit ist? Oder mache ich das vielleicht einfach sowieso, weil es sich in dem Moment richtig anfühlt? Oder weil ich neugierig bin?

 

“You have brains in your head. You have feet in your shoes.
You can steer yourself any direction you choose.
You’re on your own. And you know what you know.
And you are the one who’ll decide where to go.”
– Dr. Seuss

 

Ich mag es, das Leben zu beschreiben und nicht anderen aufzutragen, wie sie das Leben zu führen haben. Ich mag es zu inspirieren und den Horizont zu erweitern. Möglichkeiten aufzuzeigen. Und vielleicht dadurch auch zu motivieren. Aber ich möchte mir überhaupt nicht anmaßen, hier jemandem meinen Lebensweg aufzudiktieren. Ich bekomme nicht einmal meine Steuererklärung alleine hin, vergesse meinen Reisepass auf Flughafenklos und in meiner Wohnung sieht es aus, als hätte ich gerade eine Abrissparty in einer Altkleidersammlung gefeiert.

 

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Ich wusste, dass Fallschirmspringen mir nichts gibt und wurde dabei nicht eines Besseren belehrt, ich weiß auch, dass ich mich nicht selbst in Indien finden muss und mein eigenes Bett manchmal der schönste Ort auf dieser Welt ist. Und doch lasse ich mich manchmal treiben, Träume in mir erwecken, oder den Mut, etwas auszuprobieren oder an einen Ort zu reisen, an den ich vorher noch nicht gedacht hatte. Es ist wichtig Neues zu wagen.

Aber das geschieht durch Inspiration und den eigenen Antrieb und nicht Aufgrund von Worten in einem Pinterest Board.

 

(Die Yvonne hat übrigens vor einer Weile auch schon mal über die Sache mit der Wohlfühlzone geschrieben und das sehr gut auf den Punkt gebracht)

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24 Comments

  • Reply Hubert vom Travellerblog 5. Januar 2015 at 14:16

    #hach – Du sprichst mir ein wenig aus der Seele. Ich kann dieses “Raus der Comfortzone” echt nicht mehr hören/lesen. (Wie auch diese unzähligen Überschriften mit Zahlen in Reiseblogs “Fünf Dinge,.. Diese 3…”)

    Und daher lebe ich mein Leben einfach weiter – auch wenn ich natürlich nicht jede Anregung, die über diese Artikel kommen, einfach vorbei gehen lasse. Ist ja nicht alles verkehrt ;)

  • Reply herr stiller 5. Januar 2015 at 14:35

    <3

  • Reply Aylin 5. Januar 2015 at 14:35

    Erfrischend! :-)

  • Reply nordicfamily 5. Januar 2015 at 14:41

    Danke für den ehrlichen Artikel. Ich finde die Kraft und der Antrieb, der da von ganz weit innen kommt, ist die stärkste überhaupt, wenn man sie einmal entdeckt hat, zeigt sie einem den Weg, ob es der ist, der um ein Uhr nachts bei minus 30 Grad an die frische Luft führt, weil es Nordlichter zu sehen gibt oder ins warme türkise Wasser oder ins eigene Bett… der Weg ist der eigene und das Ziel und Bedacht gelaufen, findet sich überall ein Abenteuer.

  • Reply Jutta 5. Januar 2015 at 15:32

    Punkt. <3

  • Reply bunz 5. Januar 2015 at 16:33

    … danke, Nina. <3

  • Reply Michèle Lichte 5. Januar 2015 at 16:49

    Wunderbar !!!
    In den Weihnachtsferien einfach mal NIX machen – nirgendwohin – einfach nur einmal in den Tag hineinleben, Seele baumeln lassen.
    Genau das habe ich gemacht und fühle mich herrlich erfrischt.
    Diese “Auszeiten” sollte man sich auch im Jahr verteilt immer wieder einmal gönnen!

    Wünsche Dir/Euch einen guten Start ins neue Jahr!
    Liebe Grüße
    Michèle Lichte

  • Reply Fee ist mein Name 5. Januar 2015 at 18:54

    Endlich sagst mal einer. Ich kann diese Motivations-Kluge-Sprüche-Änder-dein-Leben-Pinterest-Plakatwände und ihre Inhalte auch nicht mehr sehen. Konnte ich eigentlich noch nie. So nichtssagend, so selbstverständlich, so anmaßend. Eigentlich weiß doch jeder im Innern selbst, was richtig für ihn ist.

  • Reply Carola 5. Januar 2015 at 22:06

    Recht haste, Nina!
    Und wie ich mich entscheiden kann, einfach mal die Beine baumeln zu lassen, kann ich auch entscheiden, die Pinterest-Inspirations-Board-Pins zu ignorieren.

    Und wenn wir ehrlich sind: Niemand ändert sein Leben, nur weil er/sie da mal in einem Facebook-Photo mit schlauem Spruch getagged wurde. Oder?

    Happy travels (or non-travels – whatever you like),
    CB

  • Reply Andras 5. Januar 2015 at 22:54

    Meine Komfortzone endet wo ich anfange mich unkomfortabel zu fühlen.

  • Reply Claudi 6. Januar 2015 at 12:49

    So siehts aus! Danke! <3

  • Reply Bärbel Frau auf Reisen 7. Januar 2015 at 01:40

    Ich beobachte erstaunt und fast verzaubert …wieviele Menschen sich Anfang 2015 vom Planen, von Prinzipien und Vorsätzen verabschieden. Das ist wirklich erfrischend! Danke!

  • Reply Monatsrückblick mit vielen coolen Videos und Fotografie / PhotowalksBonn Entdecken 7. Januar 2015 at 12:19

    […] “Das ‘Sei. Mach. Werde. Geh.’ – Prinzip” […]

  • Reply Fräulein Julia 7. Januar 2015 at 21:44

    Das musste wohl mal gesagt werden – und ich kann alles so unterschreiben :)

  • Reply Carla Ortmann 9. Januar 2015 at 19:14

    Hallo,
    dein Blog spricht mir sehr aus der Seele und war genau die Inspiration, die ich gerade brauche. Denn ich stehe dummerweise immer wieder in dem schwierigen Spagat, mit meinem Blog und beruflich als Sozialarbeiterin Menschen helfen zu wollen und nicht lehrmeistermäßig und von oben herab Menschen etwas aufzudiktieren. Danke!

    Liebe Grüße, Carla

  • Reply Liebstes im Januar - www.goingvagabond.de 30. Januar 2015 at 11:40

    […] Smaracuja: Das “Sei. Mach. Werde. Geh.” Prinzip […]

  • Reply Florian 31. Januar 2015 at 04:18

    Reisen wird dermaßen romantisch und lebensverändernd hingestellt, das ist echt nicht mehr schön. Und dann gehen die Leute auf eine Reise und sind enttäuscht, wie banal das doch eigentlich ist…

    • Reply Nina 31. Januar 2015 at 10:18

      Es kommt einfach ganz drauf an was man selbst daraus macht. Wer loszieht und erwartet, dass das Reisen einen automatisch verändert und alles besser macht, der kann nur enttäuscht werden. Und diese Bildchen und Motivationsschreiben suggerieren leider genau das. “Alles wird gut, du musst nur erst los gehen”. Ist leider in den meisten Fällen nicht so. Man muss schon selbst was dafür tun.

  • Reply Sabine 4. Februar 2015 at 05:53

    Jeder sollte einfach sein Ding machen…alles was sich gut anfühlt. Auf seine eigenes Bauchgefühl und seine innere Stimme hören, dass ist das wichtigste. So fahre ich zumindest am Besten, durch das Abenteuerland Leben :)

  • Reply Claudia 12. Februar 2015 at 14:51

    Du sprichst mir aus der Seele. Danke.

  • Reply auch mal was auslassen – comfoenity 5. Januar 2016 at 19:55

    […] dazu: Smaracuja in ihrem Blog: Über die Dinge, die man sich mal nicht sagen lassen […]

  • Reply Ina 6. Januar 2016 at 10:00

    “Mach doch watte wills!” Find ich gut! <3

  • Reply Stella 6. Januar 2016 at 18:31

    :) Schön!

  • Reply tine 6. Januar 2016 at 19:41

    ich mache gerne einfach das was ich möchte und was mir gefällt. und doch habe ich manchmal das gefühl, ganz viel zu verpassen. das finde ich doof. viel besser wäre es doch, zufrieden zu sein mit dem was man macht und was einen glücklich macht. keine vorschriften, kein müssen. deinen artikel habe ich sehr gerne gelesen!

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