Ruhrgebiet – Meine Highlights entlang der Route der Industriekultur

Leute, ihr wissst, ich liebe das Ruhrgebiet. Der Pott ist sowas wie meine Heimat. Ich mag die Abgefucktheit, ich liebe die Menschen und nix ist inspirierender als eine Region im Wandel. Aus alten Gasometern werden Tauchzentren, aus Kohlebunkern Kletterlandschaften, aus (Müll-)Halden echte Naherholungsgebiete. Aus ehemaligen Brauerein werden spannende Museen und aus Zechen riesengroße Abenteuerspielplätze, die es sogar bis zum UNESCO Weltkulturerbe gebracht haben. Zwischendrin lernt man ganz viel über die Geschichte des Kohle-Abbaus und das Leben im größten Industriegebiet Deutschlands. All das macht so Bock und lässt (zumindest bei mir) immer die Ideen sprießen.

Highlights auf der Route der Industriekultur im Ruhrgebiet
Highlights auf der Route der Industriekultur im Ruhrgebiet

Die Route der Industriekultur zieht sich durch das ganze Ruhrgebiet und fasst all diese coolen Kulturstätten zusammen. Das schöne ist, es gibt so viel zu entdecken, dass es selbst für eingefleischte Ruhrgebiet-Fans immer noch was neues gibt. Deshalb habe ich mir bei meinem Heimatbesuch im September meine Mama geschnappt und mit ihr ein paar Orte auf der Route besucht, die ich noch nicht kannte. Und weil sich da im Laufe der Jahre bei mir einiges an Lieblingsorten angesammelt hat, möchte ich euch heute mal meine Highlights entlang der Route der Industriekultur vorstellen – und es ist gar nicht so einfach sich nur für eine Handvoll zu entscheiden. Deshalb habe ich alles schön häppchenweise in 5 Kategorien aufgeteilt!

Landschaftspark Duisburg Nord Sprung Ruhrgebiet Smaracuja
Tiger and Turtle Halde Duisburg Ruhrgebiet

1. Halden

Schon in meinem letzten Post habe ich euch erklärt was Halden sind und warum sie so toll sind. Kurz gefasst: Der viele Schutt und die viele Erde die beim Bergbau zu Tage befördert wurde, musste ja irgendwo hin. So entstanden im Ruhrgebiet an die 250 Berghalden, die nach und nach renaturiert wurden und heute als riesige Parklandschaften und Naherholungsgebiete dienen. Von überall sieht man sie am Horizont, die Landmarken die heute auf vielen der Halden als Attraktionen thronen. Manche von ihnen sind begehbar, manche einfach nur riesige Kunstinstallationen, andere dienen als modernes Stonehenge und alle sind auf ihre eigene Art spannend und bieten megamäßige Aussichten über das ganze Ruhrgebiet. Dafür muss man in manchen Fällen allerdings auch ein bisschen schuften: Bis zu 140 Höhenmeter messen die höchsten Halden im Pott. Kein Wunder, dass es hier sogar künstliche Skipisten gibt.

Halde Rheinpreußen Geleucht Route der Industriekultur Ruhrgebiet

Geleucht auf der Halde Rheinpreußen

Im September hab ich mit meiner Mama die Halde Rheinpreußen bestiegen, um mir das Geleucht mal näher anzusehen. Denn aus der Ferne kannte ich es schon: immer wenn ich auf der A42 Richtung Heimat fahre zeigt mir die Landmarke links der Autobahn bei Kamp-Linfort vor allem eins: Ich bin bald da. Tatsächlich ist das feuerrote Geleucht die größte Grubenlampe der Welt und soll natürlich eines der wichtigsten Utensilien im Bergbau erinnern. Zu bestimmten Zeiten kann man die Installation auch betreten und von oben eine 360° Aussicht genießen. Wer es cheesy mag, kann es auf Fotos so aussehen lassen, als würde er die Lampe in der Hand halten – Der Turm von Pisa in der Pott version sozusagen. Ein Geleucht wäre natürlich auch kein Geleucht, würde es nicht ab der Dämmerung bis tief in die Nacht hinein so beleuchtet werden, dass sie wie ein Leuchtturm die Menschen auf der Autobahn nach Hause geleitet.

Tiger and Turtle Duisburg Halde Route der Industriekultur
Halde Hoheward Route der Industriekultur Ruhrgebiet
Tetraeder Halde Route der Industriekultur Ruhrgebiet

Weitere Halden auf der Route der Industriekultur

Die wohl abgefahrenste Halde ist die begehbare Achterbahn „Tiger & Turtle“ auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe in Duisburg. Von Weitem schnell wie ein Tiger anmutend, ist man bei der Besteigung des 20 Meter hohen Gewindes aus Treppen eher langsam wie eine Schildkröte. Und genau das soll die Installation auch symbolisieren: Geschwindigkeit.

Über eine Drachenbrücke erreicht man die Halde Hoheward – eine meiner persönlichen Lieblingshalden mit einem der bedeutendsten Wahrzeichen des Ruhrgebiets. Das aus zwei gigantischen Stahlbögen bestehende Horizont-Observatorium ist so etwas wie ein modernes Stone-Henge und dient der Beobachtung der Auf- und Untergangsorte von Sonne, Mond und ein paar Sternen.

Die wohl bekannteste Landmarke auf der Route der Industriekultur steht auf der Halde Beckstraße in Bottrop: Das Tetraeder. Auch hier darf man rauf. Allerdings ist das eine ganz schön wacklige Angelegenheit, mit Gitterstufen durch die man den Boden sieht. Nix für Menschen mit Höhenangst, lohnt sich aber! Direkt nebenan liegt übrigens die Skihalle Bottrop.

Die höchste Halde im Pott darf in dieser Aufzählung natürlich auch nicht fehlen. Die Halde Haniel bei Oberhausen ist aber nicht nur deshalb sehenswert. Auf ihrem Gipfel befindet sich ein riesiger Schutt-Krater mit Amphitheater und einem Saum aus bunten Totems, liebevoll „Monte Schlacko“ genannt.

Zeche Zollverein Route der Industriekultur Weltkulturerbe Essen
Zeche Zollverein Route der Industriekultur Weltkulturerbe Essen

2. Zechen

Wenn das Ruhrgebiet für eines bekannt ist, dann natürlich für die unzähligen Zechen. Der Bergbau ist inzwischen Geschichte – erst 2019 ging die letzte Zeche Prosper-Haniel in den Ruhestand und damit eine Ära zu Ende. Für viele Menschen im Pott ist der Bergbau mehr als nur Industrie, er ist ein Lebensgefühl. Die Geschichte des Kohleabbaus im Ruhrgebiet geht zurück bis ins 13. Jahrhundert und beginnt natürlich in die Zeit der Industrialisierung erst richtig zu florieren, bis hin zum modernen Bergbau im 20. Jahrhundert. Im Ruhrgebiet findet man die unterschiedlichsten Zeitzeugen aus den Jahrhunderten, viele Zechen beherbergen heute Museen und ganze Bergbau-Erlebniswelten. Sie bewahren die Bergbau-Kultur bis in die heutige Zeit und sind ein wichtiger Ankerpunkt der Route der Industriekultur.

UNESCO Weltkulturerbe Zeche Zollverein

Das wohl bekannteste Denkmal der Industriekultur im Ruhrgebiet ist die Zeche Zollverein in Essen. Früher Bergbau und Kokerei, heute ein riesiges Gelände voller unterschiedlicher Kulturstädten. Auf Zollverein gibt es viel zu entdecken und zu lernen. Man kann sich auf Touren von Bergmännern aus alten Zeiten erzählen lassen, im Sommer einen Sprung in einen Pool zwischen Boliden aus Stahl wagen, im Winter bei der alten Kokerei Schlittschuhfahren, das Red Dot Design Museum besuchen, in einem der Biergärten sitzen oder durch einen der Concept Stores bummeln. Außerdem holt sich die Natur nach und nach das Gelände zurück und heimische Pflanzen bilden einen tollen Kontrast zur rostigen Industriekulisse.

Die Jugendstil Perle Zeche Zollern

Dortmund hat ein Schloss, nur wohnen dort keine Prinzessinnen. Dass die von Dortmundern liebevoll als „Schloss der Arbeit“ betitelte Zeche Zollern das genaue Gegenteil der modernen Zeche Zollverein ist, merkt man auf den ersten Blick. Anfang des 19. Jahrhunderts baute man die Zeche mit dem Ziel den Wohlstand der Region zu zeigen. Daher die Jugendstil-Architektur und der Name. Doch auch hinter der schönen Fassade im Museum zeigt sich, wie hart das Leben der Bergmänner zur Zeit der Industrialisierung war und welchen körperlichen Anstrengengungen sie ausgesetzt waren. Unbedingt sehenswert!

3. Hüttenwerke

Bergbau und Eisen- und Stahl-Industrie gehen im Ruhrgebiet Hand in Hand. Auch bei den Hüttenwerken auf der Route der Industriekultur kann man sich entscheiden: Will ich was über die Geschichte der Eisenwerke lernen, will ich einen riesigen Abenteuerspielplatz oder will ich beides.

St. Antony Hütte und der Ursprungs der Eisenindustrie

Wer tief eintauchen möchte in die Geschichte der Stahl- und Eisenindustrie und auf Drama steht, für den lohnt sich ein Besuch bei der St.Antony Hütte in Oberhausen. Hier findet man neben den Überresten der ersten Eisenhüttenwerks im Ruhrgebiet ein kleines Museum. Über eine App mit Augmented Reality führt einen der Hüttengründer höchstpersönlich durch die Ausstellung. Hier gehts um Intrigen, um mächtige Frauen, um Betrug, um Familiengeklüngel und die Rolle der Kirche. Das alles fühlt sich ein bisschen an wie ein Real-Krimi aus vergangenen Zeiten rund um die wichtigste Wirtschafts-Dynastie des Reviers.

Besonders interessant fand ich die Foto-Ausstellung im ersten Stock des Museums, mit tollen Zeitzeugen Aufnahmen aus den Leben rund um die Gutehoffnungshütte.

St Antony Hütte Industriekultur
Landschaftspark Duisburg Nord Industriekultur

Weitere Hütten auf der Route der Industriekultur

Nicht unerwähnt bleiben, sollte der Landschaftspark Duisburg Nord. Hier bin ich schon zu Schulzeiten immer hingefahren, um mit meiner besten Freundin Fotos zu machen. Die ehemalige Hochofenanlage ist heute ein riesiger Abenteuerspielplatz. Neben den obligatorischen Führungen kann man hier in einem Hochseilgarten krackseln, in einem ehemaligen Gasometer Tauchen lernen, die Aussicht vom Hochofen genießen und in den Kohlebunkern klettert der Deutsche Alpenverein und nennt die Kletterstrecke „Monte Tyssino“ (erkennt ihr ein Muster? ;)). Es gibt ein Open Air Kino, eine Jugendherberge, Konzerthallen, einen Biergarten, und eine ziemlich lange und auch für Erwachsene coole Rutsche. Man kann hier locker den ganzen Tag verbringen.

In Dortmund hat man auf dem ehemaligen Gelände von Phoenix-West einen Skywalk errichtet. Diesen kann man nur mit entsprechender Tour begehen und lernt dabei einiges über die Eisenherstellung und die Drehorte vom Dortmunder Tatort.

Landschaftspark Duisburg Nord Route der Industriekultur
Landschaftspark Duisburg Nord Tauchverein

4. Museen

Die Route der Industriekultur lebt natürlich auch von ihren Museen. Bis hierher habe ich schon einige davon erwähnt, ich möchte ihnen aber dennoch nochmal eine eigene Kategorie widmen. Natürlich dreht es sich bei den meisten Ausstellungsräumen auf der Route um den Bergbau, doch ein paar widmen sich auch anderen Themen der Industriegeschichte. So zum Beispiel auch das Aquarius Wassermuseum in Mülheim an der Ruhr. Schon von Weitem erkennt man den mit Backstein verzierten Wasserturm, der heute als interaktives Museum dient. Hier lernt man alles rund um das Thema – ihr ahnt es – Wasser. Natürlich geht es um die Flüsse Rhein und Ruhr, um die Bedeutung des Wassers in der Geschichte und in unserem heutigen Leben. So kann man sich hier zum Beispiel auch seinen eigenen persönlichen Wasserverbrauch (jenseits dem, was auf der Wasserabrechnung steht) ausrechnen lassen. Faktoren hierbei sind vor allem auch die Nahrungsmittel, die man so zu sich nimmt. Kleiner Bonus beim Besuch des Aquarius ist die Aussicht über die Ruhr, die angrenzenden Wiesen und das benachbarte Schloß Styrum mit Park.

Weitere Museen auf der Route der Industriekultur

Das Gelände der Zeche Zollverein beherbergt mit dem Ruhr museum und dem Red Dot Design Museum zwei super interessante Ausstellungsräume, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Im Deutschen Bergbau-Museum in Bochum findet der Rundgang unter Tage statt. Ein Seilfahrtsimulator bringt einen etwa 20 Meter in die Tiefe und vermittelt mittels Temperaturen und Geräuschen die realistische Bedingungen des Kohleabbaus, der natürlich noch viel weiter unten stattfand.

Ruhrmuseum Zeche Zollverein
Red Dot Designmuseum Zeche Zollverein Essen UNESCO Weltkulturerbe

5. Arbeitersiedlungen

Im 19.und 20. Jahrhrundert setzte man vor allem darauf, seine Angestellten möglichst nah am Ort des Geschehens unterzubringen. Sie erzählen von der Blütezeit der Industriealisierung, vom Leben der Bergmänner und ihren Familien die zum Teil bis heute Arbeitersiedlungen wohnen. Heute besonders beliebt ist die Essener Margarethenhöhe. Einst Deutschlands erste Gartenstadt sind die Wohnungen hier heute mit jahrelangen Wartelisten belegt. Gegründet 1906 von Margarethe Krupp ist die Siedlung noch heute ein positives Beispiel für besonders „menschenfreundliches Wohnen“ und ist auch architektonisch interessant. Durch das Verwenden einer limitierten Anzahl an Bauelementen, die nach dem Prinzip „Mix & Match“ verwendet wurden, erscheinen alle Gebäude einheitlich, sind jedoch nicht alle gleich. Die Straßen heißen „Trautes Heim“ oder „Sonnenblick“, überall wächst wilder Wein, auf dem Markt wird Klatsch ausgetauscht, alles ist beschaulich. Es fühlt sich nicht wie Großstadt an. Das kommt vielleicht auch daher, dass die Margarethenhöhe von einem eigens angelegten Wald umgeben ist. Ein Spaziergang lohnt sich vor allem jetzt im Herbst, wenn der wilde Wein in den buntesten Farben leuchtet. Doch bitte immer bedenken: Hier wohnen Menschen und die Siedlung ist kein Freiluftmuseum.

Margarethenhöhe Arbeitersiedlung in Essen Route der Industriekultur
Margarethenhöhe Arbeitersiedlung in Essen Route der Industriekultur

Weitere Infos zur Route der Industriekultur

NRW & Corona
Aktuelle Informationen zu den Pandemie-Maßnahmen und COVID19-Fallzahlen in Nordrhein-Westfalen findet ihr auf den Seiten des Landes NRW.

Alles Rund um die Route der Industriekultur
Eine Karte aller Orte auf der Route findet ihr hier. Weitere Infos zu den von mir vorgestellten Ankerpunkten und Highlights findet ihr auf den Seiten von Ruhr Tourismus.


Rumkommen
Die meisten Städte im Ruhrgebiet verfügen über einen ICE Bahnhof und die Orte sind gut an öffentliche Verkehrsmittel angebunden. Unkomplizierter geht es aber tatsächlich mit dem Auto.

Unterkommen
Ich wohne bei meinen Reisen in den Pott dormalerweise bei Freunden oder meiner Familie. Bei meiner ausgiebigen Recherche im letzten Jahr war ich im NIU Cobbles in Essen* untergebracht und habe es vor allem wegen der vielen raffinierten Details geliebt. Auf dem Zimmer gibt es Spiele, man darf sich Pflanzen mit aufs Zimmer nehmen, bekommt free Drinks fürs Handtuch-Sparen und das Frühstück war der Knaller. Überhaupt ist eine Unterkunft in Essen* ein guter Ausgangspunkt für eine Reise ins Ruhrgebiet.

Weiterlesen
Julius von Ruhrwohl hat einen ausführlichen Bericht über die Zeche Zollern. Im Reiseblog von Ruhr Tourismus findet ihr jede Menge aktuelle Ausflugstipps. Jessica von YummyTravel hat 10 tolle Ausflugstipps im Ruhrgebiet. Und bei mir gibts 10 illustre Dinge, die ich am Ruhrgebiet mag.


Offenlegung:

Meine Recherche im Ruhrgebiet fand in Zusammenarbeit mit Ruhr.Tourismus statt und ich wurde für meine Recherzeit bezahlt. Meine in diesem Blogpost wiedergespiegelte Meinung beruht aber auf der Tatsache, dass ich selbst 6 Jahre im Ruhrgebiet gelebt und es geliebt habe.

Mit * gekennzeichnete Links sind Affiliate Links, bei denen ich für die Empfehlung einen Bonus erhalte. Das ist ein guter Weg, mich bei meiner Arbeit zu unterstützen, ohne das es euch mehr kostet.

Nina

Designerin, Illustratorin, Fotografin und Flummiweltmeisterin. Mehr Infos über mich und den Blog gibt es hier

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