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Ireland’s Ancient East – Die Geschichte vom Land der 5000 Sonnenaufgänge

By 18. Juli 2016 Travel

Wir begeben uns heute auf eine ganz besondere Reise. Eine Zeitreise. Eine Reise durch 5000 Jahre Geschichte in Ireland’s Ancient East – der historischen Ostküste der grünen Insel. Eine Geschichte von Steinzeit, Kelten, Feenbäumen und Hexensagen im Land der 5000 Sonnenaufgänge – wie die Region im Volksmund genannt wird.

Das mit Geschichte und mir ist allerdings so eine Sache. Im Geschichtsunterricht war ich immer eine Null. Daten, Fakten und Zusammenhänge in schnöden Vorträgen und schwarzen Lettern in historischen Büchern haben mich in meiner Schulzeit dem, was auf diesem Planeten in Jahrtausenden passiert ist, nie wirklich näher gebracht. Aber ich liebe Geschichten. Ich liebe es, Geschichte zu spüren, ich muss sie fühlen, anfassen können – oder von Hape Kerkeling in bunten Kostümen erklärt bekommen. An mir ist vermutlich sogar an irgendeinem Punkt eine passable Historikerin verloren gegangen – zumindest die Art von Indiana Jones Historiker, unterwegs in der Weltgeschichte auf der Jagd nach verlorenen Schätzen. Wären da nicht damals die schnöden Daten und Fakten in schwarzen Lettern gewesen, die mich davon abgehalten haben.

Deshalb besuche ich auf Reisen unheimlich gerne Orte mit besonderer Geschichte. Ich wandere durch schottische Streinkreise oder maltesische Mittelalterdörfer, besuche Gefängnisinseln in Australien oder lasse mich von einer Blaufärberin durch Stade führen. Menschen und Orte sind das, was Geschichte erlebbar macht. Irland ist voll von diesen Orten und and zwei davon fand ich besonders mystisch – nicht zuletzt wegen der vielen Sagen die um sie schweben: Die Loughcrew Cairns und der Hill of Tara.

 

Ireland's Ancient East - Die Geschichte vom Land der 5000 Sonnenaufgänge

Smaracuja Ireland's Ancient East Loughcrew Cairns Irland

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Smaracuja Ireland's Ancient East Loughcrew Cairns Irland

Loughcrew Cairns

Schon der Aufstieg zu den Loughcrew Cairns lässt mein Herz ganz schön flattern – zum einen, wegen der Anstrengung des Anstiegs, zum anderen, wegen der unglaublichen Aussicht. Nach Tagen im Bus, zwischen Terminen in Burgen, pittoresken Dörfern und Klosterruinen, darf ich sie nun endlich bestaunen, die satte irische Landschaft. Und ich kann mich gar nicht satt sehen. Grün so weit das Auge reicht. Und das reicht besonders weit, wenn es wochenlang im Großstadtjungel eingesperrt war.

Oben angekommen stehe ich vor Cairn T, einem von 32 in dieser Hügelkette angesiedelten Steinhaufen, die aus der Jungsteinzeit stammen. Erbaut um 3200 v.Ch., sind diese Grabanlagen älter als Stonehenge, die Pyramiden von Gizeh und sogar die nicht weit entfernte, aber bekanntere Anlage Newgrange.

 

Smaracuja Ireland's Ancient East Irland Loughcrew Cairns

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Smaracuja Ireland's Ancient East Loughcrew Cairns Irland

 

Unser Guide öffnet ein – inzwischen zum Schutz der Gräber angebrachtes – Eisengitter am Eingang des Cairns T und ich schlüpfe durch die schmale Öffnung hinein in die Megalithanlage. Ein winziger Raum, gesäumt von schwarzen Steinen, die mit Felsritzungen unterschiedlichster Symbole versehen sind. Durch den kleinen Gang werden die Gravierungen im Inneren nur zwei mal im Jahr zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt angeleuchtet: Bei Sonnenaufgang der Tagundnachtgleiche, jeweils im Frühjahr und Herbst. In anderen Grabanlagen gibt es ähnliche Zusammenhänge, wo zum Beispiel der direkte Lichteinfall nur bei Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende stattfindet.

Ich merke schnell, dass meine, in besagter Cheopspyramide entdeckter, Platzangst wirklich keine Einbildung war und bestaune das Bauwerk und dessen Ausrichtung im Solarsystem lieber von Außen weiter. Ich stelle mich in einen der Steinkreise, schließe die Augen und lasse den Wind an meinen Wimpern kitzeln.

 

Smaracuja Ireland's Ancient East Hills of the witch Irland

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Smaracuja Ireland's Ancient East Hills of the witch Irland

Hills of the Witch

Ein Grund dafür, dass die Loughcrew Cairns heute noch so gut erhalten sind, ist die Sage über die Hügelkette auf der sie angesiedelt sind. Der keltischen Legende nach hüpfte einst eine riesige Hexe hier von Hügel zu Hügel, nur um große Steine aus ihrer Schürze fallen zu lassen, die schließlich die Steinhaufen gebildet haben. Bei ihrem letzten Sprung auf den vierten Hügel ist die Gute allerdings am Ziel vorbei geschossen und in den Tod gestürzt. Die Erzählung der Hexe hat den alten Kelten allerdings so viel Angst eingejagt, dass sie die anderweitig nicht zu erklärenden Steinhaufen weitestgehend unberührt ließen.

Noch heute setzen sich Besucher auf den Hag’s Chair, einen thronähnlichen riesigen Stein, der angeblich der Sitz eben dieser Hexe gewesen sein soll, um sich von ihr einen Wunsch erfüllen zu lassen.

 

Smaracuja Ireland's Ancient East Hill of Tara

Smaracuja Ireland's Ancient East Hill of Tara  Smaracuja Ireland's Ancient East Hill of Tara

 

Hill of Tara

Es gibt wohl kaum einen Ort in Ireland’s Ancient East oder ganz Irland, an dem so viele geschichtliche Ereignisse stattgefunden haben sollen wie auf dem Hill of Tara, schließlich wurde dieses Fleckchen Erde von der Steinzeit bis ins 12. Jahrhundert rege genutzt. Ähnlich wie in Loughcrew befinden sich hier Megalithgräber. Die benachbarten Hügel und Schneisen sehen aus der Luft aus wie ein riesiges Unendlichkeitssymbol, auf dessen Mitte ein phallusförmiger Krönungsstein steht, der der Legende nach brüllte, wenn er vom rechtmäßigen King of Tara berührt wurde. Das ganze angeblich 143 Mal. Japp, 143 Männer berühren einen Penis und der brüllt. Da sag noch mal einer Geschichte wäre nicht cool.

Außerdem ist St. Patrick mal in Tara vorbeigeschneit und hier soll angeblich die berühmte Bundeslade zuletzt gesehen worden sein… womit wir wieder bei Indiana Jones wären.

 

 

Smaracuja Ireland's Ancient East Hill of Tara

Smaracuja Ireland's Ancient East Hill of Tara Smaracuja Ireland's Ancient East Hill of Tara Klee

Smaracuja Ireland's Ancient East Hill of Tara

 

Das alles ist fast ein bisschen viel Geschichte für mich und ich fühle mich für einen Moment wie bei Loriot. Ich will eigentlich einfach nur noch dort sitzen. Und gucken. Und sitzen. Einfach mal einen Moment inne halten und den Ort in mich aufnehmen. Tara ist so ein Ort an dem man das muss. Überall sitzen oder liegen sie, gucken in die Landschaft oder einfach in den Himmel. Teenager, alte Herren, Meditationsgruppen, Frauen mit Hund.

Wie in Loughcrew muss man nicht an Legenden glauben oder besonders spirituell sein, sondern einfach nur auf die komisch geformten Hügel glotzen um zu spüren, dass Tara etwas besonderes ist.

 

Smaracuja Ireland's Ancient East Hill of Tara Fairy Tree

Smaracuja Ireland's Ancient East Hill of Tara Fairy Tree Smaracuja Ireland's Ancient East Hill of Tara Fairy Tree

 

Fairy Trees

Ich seile mich von der Gruppe ab, die langsam Richtung Minibus zurückdrängelt, um einen Moment allein zu sein und entdecke auf meiner Runde über das Gelände ein paar Weißdornbäume, in denen bunte Bändchen im Wind wehen. Bis heute haben diese Heckengewächse den Ruf inne, dass sie den Feen gehören und Pforten zur Anderswelt markieren. Wer also einen Weißdorn fällt, muss früher oder später im selben Jahr selbst dran glauben. Deshalb sieht man noch heute in ganz Irland einzelne Bäume auf Feldern stehen, die mit Steinen umzäunt sind oder die ganze Straßenführungen beeinflussen.

Seit der Zeit der Druiden binden die Menschen bunte Bändchen an die Zweige, um die Feen milde zu stimmen oder um Gesundheit der Liebsten zu bitten. Aus Mangel an eines Stofffetzens, pflücke ich ein paar lange Grashalme und binde einen kleinen Kranz um den Ast. Das ist ja auch viel schonender für den Baum und das Gemüt der Feen, denke ich mir, bevor ich ebenfalls den Rückweg einschlagen muss. Gerne wäre ich noch länger dort geblieben, um einfach nur zu sitzen.

 

Smaracuja Ireland's Ancient East Hill of Tara Fairy Tree

Smaracuja Ireland's Ancient East Hill of Tara Fairy Tree Smaracuja Ireland's Ancient East Hill of Tara Fairy Tree

 

Mehr über Loughcrew und den Hill of Tara in Ireland’s Ancient East findet ihr bei Michael, Janice und Marie-Eve.

Alle Infos zu Irlands historischer Ostküste gibt es hier und mehr Bilder von meinem Irland Trip auf Instagram.

 

Meine Reise nach Irland war Teil der Ireland’s Ancient East Kooperation mit iAmbassador und Irland Tourismus. Meine Meinung über Krönungssteine, Hexenhügel und Sonnenaufgänge bleibt natürlich davon unangetastet. 

 

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9 Comments

  • Reply Ani 18. Juli 2016 at 11:27

    Awww!!! <3

  • Reply Ralph 18. Juli 2016 at 13:11

    Wunderschön!
    Danke Dir!

  • Reply Maria Anna 19. Juli 2016 at 12:30

    Tolle Bilder, toller Text. Danke für die schöne Mittagspause 🙂

    • Reply Nina 21. Juli 2016 at 15:55

      Freut mich! 🙂

  • Reply Franzi 21. Juli 2016 at 14:43

    Hallo liebe Nina!
    Schön, dass es wieder was auf deinem Blog zu lesen und sehen gibt! Die Bilder sind unglaublich schön geworden und jetzt freue ich mich noch viel mehr selbst nächste Woche durch Irland zu reisen! 🙂
    Ganz Liebe Grüße
    Franzi

    • Reply Nina 21. Juli 2016 at 15:54

      Danke, Franzi! Es war ganz schön lange ruhig hier, das stimmt 🙂 Jetzt kommt aber wieder regelmäßiger was.
      Liebe Grüße und viel Spaß in Irland!

  • Reply Sabrina 6. September 2016 at 12:02

    So viele schöne, zauberhafte Bilder, da bekomme ich ja direkt Fernweh!

    LG Sabrina

  • Reply Freiwilligendienst im Ausland 21. September 2016 at 14:35

    Danke, Nina, für die tollen Bilder. Wenn ich mal wieder auf Spurensuche gehe, werde ich mir Irland mal in Ruhe ansehen.

  • Reply Kerstin 17. Februar 2017 at 11:54

    Oh wow das sieht atemberaubend schön aus. Wirklich, wow! Ich mag Irland generell so gerne aber auf deinen Bildern sieht es ja noch mal ein Stück toller aus. Wirklich sehr schön aufgenommen.

    Love, Kerstin

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