O sole mio am Flughafen Kairo

 

Ankunft Kairo. Nach etwa 5 Stunden Flug, umringt von schreienden Kindern verschiedener Altersgruppen, ohne Kopfhörer und ungeschminkt betrete ich zum ersten Mal in meinem Leben den afrikanischen Kontinent. Der Tag hatte schon damit begonnen, dass ich eine Stunde zu spät aufwachte, in Windeseile, mit einem Bein in der Hose und dem anderen noch im Bett, ein Taxi rief und stolze 38 Minuten und eine wilde Taxifahrt später am Gate im Flughafen Tegel stand. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass ich mich wenige Stunden später bereits an einem Ort voller Absurditäten wiederfinden würde…

Der Landeanflug auf Kairo war bereits spektakulär. Eine endzeitmäßiges, endloses Häusermeer tat sich plötzlich unter uns auf, mitten drin die Pyramiden von Gizeh. Eine Stadt, die wie ich später erfahren sollte, über 25 Millionen Einwohner hat, alle verteilt auf nicht fertig gestellte Hochhaus-Rohbauten in denen zu meist nur 2 oder 3 Etagen bewohnt sind.

 

 

Ich hatte ja schon davon gehört dass der Flughafen in Kairo anders ist als alle anderen. So sagte man mir mehrmals, die 5 Stunden Umsteigezeit zu meinem Flug nach Luxor würde ich ganz sicher brauchen. Ich fragte mich welcher Flughafen wohl so groß ist, dass man 5 Stunden zum Umsteigen braucht. Kairo ist es nicht. Dafür hat er seine ganz eigenen Tücken.

Grundsätzlich stellt man sich hier nicht an. Bei der Bordkartenausgabe von Egyptair werde ich mehrmals einfach wie Luft behandelt. Sowohl von anderen Passagieren als auch von den Herren hinterm Schalter. Es dauert etwa 15 Minuten, ehe man auf sich aufmerksam machen kann und nach kurzer Diskussion seine Bordkarte bekommt. „You got visa?“ „Well, I filled out this form…?!“ „You have to go to bank to buy visa“. Achso?

 

 

Visa werden in vielen Ländern des mittleren Ostens an doch recht seriös aussehenden Schaltern neben der Passkontrolle für etwa 15$ vergeben. Nicht so in Ägypten. Ich passiere 3 geschlossene Bankschalter bis ich einen erreiche, der so verqualmt war, dass ich einen Moment brauche um zu sehen ob er besetzt ist. Im Tausch gegen Euro bekommt man einen Aufkleber. „Entry Visa Egypt“ steht drauf. Bis auf den silbernen Adler in der Mitte, sieht der so aus als hätte man den Zuhause mit dem Tintenstrahldrucker ausgedruckt. Ich überlege kurz ob ich mich in irgendeiner bescheuerten Touristenfalle befand. Aber man kommt damit durch. Ganz ohne minutenlanges anstarren und Foto aufnehmen. Aufkleber rein, Stempel drauf, fertig.

Sonstige Sicherheitskontrollen sind um diese Zeit nicht besetzt. Niemand interessiert sich für meine Waffen, Flüssigkeiten oder Baldrianbonbondöschen. Rolltreppen führen in Sackgassen. Ich suche erst einmal die Toiletten auf und stelle fest, dass ich mein Shirt falsch herum trage. Über Lautsprecher ertönen volkstümliche Klänge. Jemand singt etwas von einer weißen Rose. Auf Deutsch. Ich halte das für eine seltsame Art von musikalischer Untermalung fürs Stille Örtchen und kümmere mich nicht weiter darum.

 

 

 

Doch hinter dieser Musik steckt mehr. Während ich nach 45 Minuten mein Abfluggate erreiche, bleiben mir noch 4 Stunden und 15 Minuten Zeit. Zeit um zwischen Raucheraquarium und WiFi Bereich hin und herzupendeln. Immer wieder ertönt Musik über die Lautsprecher, zumeist arabische. Doch dann ertönt Bach und eine Stimme kündigt einen Flug nach Frankfurt an. Langsam erkenne ich ein Muster. Und tatsächlich. Der Flughafen Kairo untermalt alle Durchsagen mit der Landestypischen Musik des Flugziels. Sirtaki? Athen! Edith Piaff? Paris! Beatles? London!

 

 

Während ich gegen 4 ganz Europa musikalisch durchreist habe, positioniert sich vor dem flughafeneigenen Gotteshaus ein hell gekleideter Herr und ruft zum Nachmittagsgebet. Sein Gesang wird übertönt von einer Durchsage für einen Flug nach Mailand. Und zu den Klängen von „O sole mio“ muss ich leicht grinsen, schaue aus dem Fenster und denke, dass man die 5 Stunden am Flughafen Kairo wirklich braucht. Nicht um ihn zu durchqueren, aber um ihn in all seinen Absurditäten zu erleben.

 

Diesen Text schrieb ich vor zwei Wochen auf dem Flug von Kairo nach Luxor. 

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Nina

Designerin, Illustratorin, Fotografin und Flummiweltmeisterin. Mehr Infos über mich und den Blog gibt es hier

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  1. Antworten

    Kia

    3. Juli 2013

    Wahnsinnig schöne Fotos!

  2. Antworten

    Anna

    31. Juli 2013

    „Niemand interessiert sich für meine Waffen, Flüssigkeiten oder Baldrianbonbondöschen“ – Sehr schön das ja mittlerweile internationale Standards gelten und wie man sieht, auch so toll Anwendung finden 😉 Aber das mit der Musik stimmt wirklich, ich habe das auch schon von einem Bekannten gehört, der hat genau das Gleiche erzählt. Da kann man sich ja schämen, Volksmusik über „Weiße Rosen“ wird da als landestypische Musik für Deutschland ausgespielt?! Hallo geht’s noch? Mittlerweile haben auch wir Deutschen Geschmack in der Musik bewießen!

  3. Antworten

    Lydia

    5. August 2013

    Wirklich tolle Fotos! Ich frage mich immer, wie man aus dem Flugzeug heraus so schöne Bilder machen kann. Ich schaff das einfach nicht. Bei mir ist immer alles verwackelt…

    Grüße
    Lydia

    • Antworten

      Nina

      6. August 2013

      Lydia, was hast du denn für eine Kamera? Ich hatte mit meiner Spiegelreflex da bei Tageslicht noch nie Probleme?

      • Antworten

        Lydia

        24. August 2013

        Hallo Nina,
        danke für deine Antwort. Ich habe eine Canon EOS 1100D. Ich kenne mich nur nicht besonders gut mit ihr aus und warscheinlich habe ich einfach irgendwas nicht richtig eingestellt…

        Grüße
        Lydia

  4. Antworten

    regina

    30. Juni 2014

    super schöne bilder vom kairoer flughafen, ich bin ein bißchen neidisch:-)
    viele grüße
    regina

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