Smaracuja

Mecklenburgische Seenplatte – Auf dem Hausboot bin ich Kapitän

By 9. April 2018 Raus aufs Land, Travel

Manchmal ist beim Reisen der Weg das Ziel. Das gilt zum Beispiel für Road Trips mit oder ohne Campervan, eine Zugreise mit Schlafwagen oder eine Fernwanderung mit den eigenen Füßen. Aber dazu gehören natürlich auch Schiffsreisen. Doch was, wenn man dabei der Kapitän sein darf? Ein Hausboot ganz ohne Führerschein die Havel runterschippern kann? Nachts mitten auf einem der vielen Seen der Mecklenburgischen Seenplatte ankern? Davon habe ich irgendwie immer schon geträumt und eines warmen Spätsommers war es so weit. Und was soll ich sagen? Es war eine der schönsten und entspanntesten Reisen überhaupt… und das lag eventuell auch an einer übergroßen Ananas.

 

Mit dem Hausboot über die Mecklenburgische Seenplatte

Hausboot Mecklenburger Seenplatte

Mecklenburgische Seenplatte Hausboot LeBoat

Mecklenburgische Seenplatte Hausboot LeBoat Mecklenburgische Seenplatte Hausboot LeBoat

Mecklenburgische Seenplatte Hausboot LeBoat

 

Leinen los und Schiff Ahoi!

Es fing alles an in der Marina Wolfsbruch, irgendwo im Norden Brandenburgs. Mit Sack und Pack beziehen wir unseren 12m langen Kahn, auf der Seite steht „Royal Classique“. Es gibt drei Kabinen mit eigenem Bad, eine kleine Küche und Wohnzimmer. Ich pfeiffe die Titelmelodie von Käptn Blaubär, denn das ist das einzige Seemanslied, das ich kann. Wir lassen uns im Hafen zuerst die Schifffahrtsregeln erklären – immerhin die Knoten kann ich noch von früher – und schon gehts los. Naja gut, erstmal aus- und einparken üben, einmal auf und ab fahren und das Nicken vom Profi abholen (so ungefähr lief das mit meinem Mofaführerschein damals auch) und jetzt gehts aber wirklich los. Käptn Klys lenkt unser schwimmendes Domizil auf die erste Schleuse zu, als hätte er nie irgendwas anderes gemacht.

Unter Deck sortiert sich die restliche Crew: Gigi kümmert sich um die ordnungsgemäße Lagerung der mitgebrachten Lebensmittel in der Kombüse und Marianna inspiziert mit Smutje Marlene die Kabinen. Ich stehe hinterm Kapitän und versuche mich daran zu erinnern, was der Typ bei der Einweisung noch mal zum Thema Schleusen gesagt hatte.

 

Hausboot Mecklenburger Seenplatte

Hausboot Schleuse LeBoat Meklenburg Hausboot Schleuse LeBoat Meklenburg

Hausboot Schleuse Meklenburg

 

Alles im Lot aufm Boot, alles in Butter aufm Kutter.

Einer vorne, einer hinten, einer fährt. So geht das am besten mit dem Schleusen und unserem riesen Kahn. Spätestens nach der dritten Schleuse sind wir ein eingespieltes Team und wir nutzen den Vorgang zum lockeren plaudern mit den Besatzungen der Nachbarboote. Ahoi, schönes Wetter heute, jaja, wo gibt es den besten Fisch, Mensch, die Schleuse ist aber wirklich besonders langsam, tschüss, schönen Tach noch, Mast und Schotbruch. Wir haben zwar eine Karte, fahren aber immer der Nase nach. Schließlich sind wir im Urlaub und haben nichts vor außer fahren, dümpeln, schwimmen und vielleicht auch mal essen. Und wirklich schnell sind wir sowieso nicht: Ohne Führerschein darf man hier nur Boote fahren die bis zu 12km/h drauf haben. Aber das ist ja das Schöne: Die Langsamkeit.

Es dauert keinen halben Tag, da bin ich komplett runtergefahren. Der Arbeitsstress ist vergessen, das Handy im totalen Funkloch, der Wald zieht in Schrittgeschwindigkeit an uns vorbei, frische Luft durchströmt meine Lungen und ich lenke das Boot mit meinem rechten Fuß. Wir ankern hin und wieder auf einem See, springen mit dem Hintern zuerst ins Wasser, ich dümpel auf meiner übergroßen Ananas und Klys reicht mir ein Stück Melone. Das Leben ist schon ganz schön okay auf der Mecklenburgischen Seenplatte.

 

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Zum Abend suchen wir uns einen See auf dem wir bleiben wollen und werfen den Anker. Manchmal erwischen wir Nachtlager, an denen wir ganz alleine sind. Manchmal entdecken wir weit entfernt die Umrisse eines anderen Hausboots. Es gibt sie in allen erdenklichen Formen: vom Floß mit Hütte oder Wohnwagen drauf, schwimmenden Bungalows, kleinen alten Kuttern oder richtigen Yachten, wir unserer. So unterschiedlich wie die Boote sind auch die Leute, die mit Ihnen unterwegs sind. Familien mit Kindern in Schwimmwesten, Jungesellenabschiede mit mehr Fässern an Bord als Menschen, Rentner-Ehepaare deren innere Ruhe auf alle abfärbt, frisch Verliebte die sich auf dem Bug in der Sonne räkeln oder Gruppen mit passionierten Kapitänen die irgendwie alles besser wissen.

Unser Kapitän schmeißt den Grill an, Gigi schnibbelt in der Kombüse und ich kontrolliere noch mal, ob der Anker auch richtig sitzt. Vor dem Essen drehe ich eine letzte Runde schwimmend um das Boot. Am frühen Abend ist das irgendwie am schönsten. Um diese Zeit ist es so ruhig und doch erwacht die Natur irgendwie zum Leben. Haubentaucher, Schwäne, springende Fische und umherschwirrende Mückenschwärme. All das erinnert mich an meine Kindheit am See.

 

Hausboot Mecklenburger Seenplatte

 

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Hausboot Mecklenburgische Seenplatte Sonnenuntergang Schwäne Hausboot Mecklenburgische Seenplatte Sonnenuntergang

Hausboot Mecklenburgische Seenplatte Sonnenuntergang Schwäne

Seemannsgarn und Klabautermänner

Über der Mecklenburgischen Seenplatte liegt ein Sternenklarer Himmel. Um uns ist es komplett schwarz. Wir verbringen die Abende damit Sternbilder zu suchen und sämtliche Drei Fragezeichen Folgen zu hören, die etwas mit Schiffen, Piraten oder dem Meer zu tun haben. Irgendwann schaukelt uns der See in unserer Koje in den Schlaf.

Am schönsten jedoch, sind für mich die Morgen. Ich liege in meiner Kajüte, das Boot wankt angenehm sanft und durch die kleinen Gardinen kommen glitzernde Lichtreflektionen. Irgendwann schiebe ich den Stoff beiseite, über dem See liegt ein feiner Nebel. Die Landschaft besteht nur aus einer Farbe in verschiedenen Helligkeitsstufen. Ein paar Enten sind auch schon wach. Leise tapere ich in die Küche, mache eine große Kanne Kaffee und steige an Deck. Mit dem Kaffee setze ich mich an den Rand, lasse die Beine baumeln und genieße. Schon bald würde ich morgens wieder vom Krach einer vierspurigen Straße geweckt werden.

 

Morgens auf der Mecklenburgischen Seenplatte

 

Als wir von Bord gehen sind richtige Seebären aus uns geworden. So sehr, dass der feste Boden unter unseren Füßen zu schwanken scheint. Ich beschließe, ab jetzt öfter mit dem Boot zu reisen und recherchiere sogar wegen eines eigenen Kahns. Daraus ist bis jetzt noch nichts geworden, aber zum Glück, kann man die Dinger ja so einfach mieten.

 


Zum Weiterlesen

Gigi aka Angelika von Reisefreunde hat über unsere kleine Tour auch geschrieben.

Kapitän Klys und Marianna sind noch mit neuer Besatzung weiter gefahren.
Daraus ist eine tolle Travel Episode mit Text und Videos entstanden.

Mein Freund Steven vom Funkloch war auch mit dem Hausboot unterwegs,
allerdings im französischen Burgund.

Mehr Infos

Wir haben unser Hausboot von LeBoat zur Verfügung gestellt bekommen.
Die Flotte besteht aus Booten in verschiedenen Größen für 2 bis 12 Personen.

Ein Bootsführerschein ist auf der Mecklenburgischen Seenplatte nicht notwendig,
man bekommt allerdings eine ausführliche Schulung und Einweisung.

Außer in Deutschland kann man auch in Frankreich, Italien, Belgien, Niederlande,
England, Schottland, Irland und Kanada Hausboot-Urlaub machen.


 

Hinweis:

Das Hausboot wurde uns von LeBoat zur Recherche zur Verfügung gestellt. Meine Meinung zu Hausbootferien, aufblasbaren Ananas und Schleusen ist davon unbeeinflusst. 

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4 Comments

  • Reply Stella 10. April 2018 at 17:55

    Ich kann diese sich so schnell einstellende innere Ruhe total gut nachvollziehen, beim Segeln in Kroatien ging es mir genauso. Schön zu wissen, dass das auch in Deutschland via Hausboot so leicht geht! Hattet ihr viele Mücken als Gesellschaft?

    Schön geschrieben, die Muse küsst gut!

    Liebe Grüße,
    Stella

    • Reply Nina 11. April 2018 at 11:08

      Danke dir, Stella!
      Ja, auf dem Wasser sein hat seine ganz eigene beruhigende Eigenschaft <3
      Es gab natürlich Mücken, vor allem Nachts, aber ich muss sagen, dass ich es mir schlimmer vorgestellt hatte.
      Gut eingesprüht gehts 😉

  • Reply Morten Pingel 25. Mai 2018 at 00:03

    Hey Nina!
    Ich und meine Freundin sind gerade dabei Südamerika unsicher zu machen. Wir machen davon YouTube Videos und sind auch am überlegen einen Blog zu starten kannst du uns ein paar Tipps geben wie wir damit anfangen?

    Unser VLOG
    https://goo.gl/vCsxLC

    • Reply Nina 10. Juli 2018 at 16:11

      Hallo Morten,

      toll dass ihr überlegt einen Blog zu machen. Ausfühlriche Tipps zum starten eines Blogs würden hier den Rahmen sprengen. Aber auf Pinterest findet man viele gute Artikel zu dem Thema von Leuten die das viel besser erklären können als ich 😉

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