Bei meiner Ankunft in Düsseldorf regnet es in Strömen – und das sollte sich auch für den Rest meines Wochenendes am Rhein leider nicht ändern. Wie gut, dass es in Düsseldorf auch ohne Sonnenschein allerhand zu erleben gibt: Moderne Museen, schräge Architektur, nette Designerläden, die rheinische Küche und natürlich die längste Theke der Welt. Als gebürtige Niederrheinerin war ich selbstverständlich schon einige Male in Düsseldorf, doch mein Wissen beschränkt sich bisher auf Flughafen, Königsallee und Konzerte. Umso mehr freue ich mich, dass ich der Stadt mal etwas mehr auf den Zahn fühlen kann.



Sightseeing bei Regen – Mit dem Hopp On Hopp Off Bus quer durch Düsseldorf
Bewaffnet mit Schirm, Charme und guter Laune starte ich meinen Kurztrip in Düsseldorf auf dem Carlsplatz. Hier findet man auf dem überdachten Wochenmarkt nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch Mittagstisch, frische Smoothies und Gebäck. Gestärkt mit Stielmus – einem Gemüse aus Rübenstängeln – und Bratwurst boarde ich recht spontan einen HoppOn HoppOff Bus. Ich kann’s ja verstehen: Die roten Doppeldeckerbusse sind nicht so jedermanns Sache. Aber gerade wenn das Wetter nicht so richtig mitspielt, sind sie eine tolle Möglichkeit, sich einen ersten Überblick über eine neue Stadt zu verschaffen. Ich mache es mir auf dem Oberdeck gemütlich, der Regen prasselt auf das Faltdach, in meinen Ohren klingt die Ansage.
Vor der verregneten Scheibe ziehen Düsseldorfs Altstadt, der Medienhafen, der Rheinturm und die Kniebrücke an mir vorbei. Zum ersten Mal fällt mir auf, wie grün Düsseldorf eigentlich ist



Auf Safari entlang der längsten Theke der Welt
Am späten Nachmittag mache ich mich auf dem Weg zum Burgplatz. Es geht nämlich auf Safari! Und auch wenn es im Düsseldorfer Zoo ein paar wilde Tiere gibt, brauche ich bei dieser Safari kein Fernglas, sondern Durst. Düsseldorf ist berühmt für sein obergäriges Altbier und natürlich gibt es in der Stadt nicht nur eine Brauerei. Es gibt sogar so viele Bars und Kneipen, dass die Düsseldorfer Altstadt auch gerne die längste Theke der Welt genannt wird. Wir beginnen unsere Altbier Safari auf der „Retematäng“, wie die Düsseldorfer ihre Ausgeh-Meile nennen. Der Name stammt noch aus Napoleons Zeiten, der die Ratinger Straße einst in „Rue du Martin“ umbenannt hatte. Ich lerne was über Bitterstoffe, Gärungsart und Altbiertradition und die Stimmung wird mit jedem Brauhaus fröhlicher. Die Tour endet im Urige, eines der ältesten Brauhäuser Düsseldorfs, wo ich gleich zum Abendessen bleibe.
„Du bist nicht in Düsseldorf gewesen, wenn du keinen Killepitsch probiert hast“, heißt es, und da sage ich doch nicht Nein. Den kleinen Absacker in Form eines Kräuterschnapses hole ich mir direkt am Fenster vom „Et Kabüffke“, bevor ich mich auf ins Hotel mache.



Schräge Architektur und spektakuläre Aussicht
Der nächste Morgen beginnt im „25 Hours Hotel Das Tour“, wo ich beim Frühstück einen atemberaubenden Blick über die Stadt genieße. Doch es gibt viel zu entdecken! Mit der Straßenbahn fahre ich in den Süden Düsseldorfs – zum Medienhafen. Schon gestern aus dem Bus hat mich die Architektur der Gehry-Bauten beeindruckt. Keine Linie scheint hier gerade zu sein, vor allem das mittlere Gebäude mit seiner Spiegelfassade wirkt wie ein Spielplatz für meine Kamera.
Von hier ist es nur ein kurzer Spaziergang zum Rheinturm. Als Kind war ich schon einmal oben und erinnere mich daran, wie ich mich einfach auf die schrägen Scheiben gelegt habe, um nach unten zu sehen. Ob ich das heute noch schaffe? Der Aufzug saust in die Höhe, meine Ohren knacken. Auf 168 Metern erwartet mich eine spektakuläre 360-Grad-Aussicht – bei guter Sicht erkennt man sogar den Kölner Dom. Aber psst… das sollte man hier lieber nicht zu laut sagen!





Kunstgenuss im K21 & K20
Ein paar Pfützen später erreiche ich das K21 im Ständehaus, idyllisch in einem kleinen Park gelegen. Die riesige Glaskuppel beherbergt „in orbit“, eine begehbare Netz-Installation von Tomás Saraceno. Leider habe ich keine passenden Schuhe dabei, um sie zu betreten – für alle mit Höhenangst lohnt sich das Zuschauen aber auch! Neben der Installation gibt es hier faszinierende zeitgenössische Kunst von Ai Weiwei, Wolfgang Tillmans und Simone Nieweg. Besonders beeindruckt mich eine Sound-Installation von Carsten Nicolai, bei der ein schwarz-weißes Rastermuster scheinbar durch Klang tanzt.
Das K20 in der Altstadt widmet sich der Kunst des 20. Jahrhunderts. Ich schlendere durch Werke von Gerhard Richter, Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Helen Frankenthaler. Am längsten bleibe ich vor den kleinen, farbintensiven Gemälden von Etel Adnan hängen – eine echte Entdeckung für mich!
Nach so viel Kunst meldet sich mein Magen. Im Restaurant Schwan wage ich mich an eine vegane Frikadelle mit Möhren-Kartoffelgemüse und Rucola-Öl. Perfektes Comfort Food für so einen verregneten Tag!




Gemütliche Shoppingtour durch Flingern
Mein letzter Vormittag führt mich nach Flingern, Düsseldorfs kreatives Szeneviertel. Nach einer Apfel-Zimtschnecke von der Bäckerei Bulle schlendere ich durch die Ackerstraße und entdecke einen stylischen Laden nach dem anderen. Besonders gefällt mir der „Aest. Conceptstore“, wo ich mit der Besitzerin Katharina Meerkamp ins Gespräch komme und ein paar Insider-Tipps bekomme.
Ein paar Häuser weiter erwartet mich „The Golden Rabbit“, ein Laden nur für schicke Garten-Artikel. Danach stöbere ich noch eine Weile durch die bunte Papeterie von „Rikiki“, bevor ich mir im Café Hüftgold eine Pause mit Kaffee und Kuchen gönne – der Name ist Programm!




Little Tokyo – Ein Stück Japan am Rhein
Zum Abschluss tauche ich in ein völlig anderes Düsseldorf ein: Little Tokyo an der Immermannstraße. Hier befindet sich die drittgrößte japanische Gemeinde Europas mit authentischen Restaurants, Buchhandlungen für Manga-Fans und Teeläden. Ich schließe mich einer „Sushi, Sake & Japanischer Lifestyle“-Tour an und probiere Melon Pan, Onigiri und japanischen Reiswein.
Für zwei Stunden fühle ich mich wie am anderen Ende der Welt – und doch bin ich noch mitten in Düsseldorf. Inzwischen zeigt sich endlich die Sonne, und ich lasse mein Wochenende bei einem letzten Spaziergang entlang der Rheinpromenade ausklingen. Düsseldorf bei Regen? Kein Problem – diese Stadt begeistert bei jedem Wetter!










